Ein abschreckendes Beispiel

Erst kürzlich lief auch durch mein Faxgerät solch eine windige Aktienstory: iVegas, der Stern am Online-Gambling-Himmel, werde die Erfolgsgeschichte des Jahres, hieß es Ende Juni, als der Kurs bereits auf 1,22 Euro geklettert war. Kurzfristig seien mindestens 2,70 Euro, mittelfristig sogar 13 bis 17 Euro zu erwarten. „Nutzen Sie das gigantische Wachstum der virtuellen Welt und zögern Sie keine Sekunde, lassen Sie die nächsten Gewinne nicht liegen, Investieren Sie jetzt!“ hieß es in dem reißerischen Fax.

Nun, ich habe dann doch noch die eine oder andere Sekunde gezögert, und wollte etwas über die Bewertung der so stark gepriesenen Aktie erfahren. Beim Kurs von 1,22 Euro lag der Börsenwert bei stolzen 125 Millionen Euro.

Über tatsächliche Umsätze oder gar Gewinne der kanadisch-maltesischen Firma war auf deren Homepage leider nichts zu erfahren. Immerhin wurden Kontaktdaten genannt. Ich schrieb also eine E-Mail an den zuständigen Vorstand und wollte die aktuelle Finanzlage erfahren. Eine Antwort habe ich bis heute nicht erhalten – hatte aber auch nicht wirklich damit gerechnet…

Tipp: Blicken Sie bei jedem Aktieninvestment hinter die Kulissen, sehen Sie sich die Bewertungen an. In diesem Einsteiger-Kurs erhalten Sie eine genaue Check-Liste, worauf Sie achten sollten.

In den folgenden Wochen ist die iVegas-Aktie immer weniger wert geworden. Und wenn Sie wissen wollen, wie es mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter geht, schauen Sie sich bitte diesen Chart an. Dabei handelt es sich um die Aktie von Russoil, mit der im Sommer 2007 eine üble Abzocke veranstaltet wurde.

Chartverlauf Russoil

Russoil wurde massiv als erfolgreiches Öl- und Gasunternehmen mit Anlagen in Osteuropa beworben. Ein selbst ernannter Börsenguru nahm die Aktie am 1. Juni 2007 in sein virtuelles Depot auf. Daraufhin explodierten die Umsätze an der Börse, 70 Millionen Stück werden allein in Frankfurt gehandelt. Der Kurs schoss auf mehr als 1,20 Euro hoch – ähnlich also wie bei iVegas.

Doch dann verdichten sich die Vermutungen, die Aktie sei lediglich eine wertlose Hülle. Das Papier wird panikartig verkauft, wieder mit Riesenumsätzen. Der Kurs bricht schnell auf 20 Cent ein, seit Oktober 2007 lag der dauerhaft unter 10 Cent und seit Frühjahr 2008 dauerhaft unter 4 Cent.

Manche Anleger haben mit dem Investment mehr als 10.000 Euro verloren. Inzwischen ist klar, dass es sich bei der RussOil Corp. um einen faktisch wertlosen Börsenmantel handelte, der noch im April 2007 unter dem Namen Cassidy Media Firmierte. Deren Aktien wiesen einen Buchwert von mickrigen 0,00001 US-Dollar auf.

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